Fehlgriffe, die erst nach der Bestellung auffallen
„S2 ist der Nachfolger von ESP32"
Der Name legt es nahe, und es stimmt nicht. Der ESP32-S2 hat kein Bluetooth — überhaupt keines, weder Classic noch LE. Er ist ein WLAN-Chip mit USB OTG und vielen Pins.
Wer einen Nachfolger des klassischen ESP32 mit Bluetooth sucht, meint den S3.
„Der C6 kann alles, also nehme ich den überall"
Funktechnisch stimmt es fast. Aber der C6 hat kein ADC2 und nur sieben Analogkanäle, und nur GPIO0 bis GPIO7 können ihn aus dem Deep Sleep wecken. Wer viele Analogeingänge oder mehrere Weckeingänge braucht, stösst schneller an eine Grenze als beim klassischen ESP32.
„GPIO-Zahl aus der Tabelle = Pins, die ich habe"
Die nominelle Zahl ist eine Chipeigenschaft. Was übrig bleibt, ist deutlich weniger:
| ESP32 | ESP32-S3 | ESP32-C6 | |
|---|---|---|---|
| nominell | 34 | 45 | 30 (QFN40) |
| davon Flash / PSRAM | 8 | 7, bei Octal 12 | 6 |
| davon Strapping | 5 | 4 | 5 |
| davon USB, JTAG, UART0 | 6 | 8 | 8 |
| davon nur Eingang | 6 | 0 | 0 |
Die Gruppen überschneiden sich teilweise, deshalb lässt sich hier nicht einfach subtrahieren — GPIO12 beim klassischen ESP32 ist gleichzeitig Strapping-Pin und JTAG-Pin. Als Faustregel für die Planung: rechne mit ungefähr der Hälfte.
„Chipvariante ist egal"
Ist sie nicht. Innerhalb desselben Chipnamens gibt es Varianten, die sich in den verfügbaren Pins unterscheiden:
- Beim ESP32-C6 sind bei Varianten mit Flash im Gehäuse GPIO10 und GPIO11 gar nicht herausgeführt; bei Varianten ohne Flash im Gehäuse fehlt GPIO14.
- Beim ESP32-C3 hat die eine Variantengruppe 22 GPIO, die andere 16.
- Beim ESP32-S3 belegen Varianten mit Octal-Flash oder Octal-PSRAM zusätzlich GPIO33 bis GPIO37.
Die genaue Typenbezeichnung auf dem Blechdeckel ist also keine Nebensache.
„Ich kaufe das Modul mit den meisten Pins am Board"
Ein Board mit vielen Stiftleisten kann trotzdem weniger nutzbare Pins haben als eines mit wenigen — wenn der Hersteller Leuchtdioden, einen Sensor und ein Display an die interessanten Pins gehängt hat. Ein Blick in die Boardunterlagen vor dem Kauf spart mehr Zeit als jede Tabelle.
Chip nennen, immer
Der grösste Stolperstein ist gar keine Kaufentscheidung, sondern eine Gewohnheit beim Lesen.
Fast jede Aussage über Pins gilt für genau einen Chip. „GPIO34 ist nur Eingang" ist richtig für den klassischen ESP32 und falsch für S3 und C6 — die haben überhaupt keine nur-Eingang-Pins. „GPIO9 gehört dem Flash" gilt für den klassischen ESP32; beim C6 ist GPIO9 ein Strapping-Pin, und die Flash-Pins liegen bei 24 bis 30.
Eine Anleitung im Netz, die von „dem ESP32" spricht, ohne den Chip zu nennen, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit über den klassischen ESP32 geschrieben — und dann auf deinem C6 falsch.
Kurze Selbstkontrolle
Zählt nicht — nur zum Prüfen, ob es angekommen ist.
1.Du brauchst ein Gerät, das gleichzeitig im WLAN hängt und in einem Zigbee-Netz mitspielt. Welcher Chip?
2.In einer Anleitung steht „GPIO34 kann nur lesen, nicht schreiben". Was fehlt dieser Aussage?
Quellen
- ESP32 Series Datasheet v5.2, Abschnitt 2.3.1 — nur-Eingang-Pins, Flash-Pins, Strapping
- ESP32-S3 Series Datasheet v2.2, Abschnitte 2.3.4 und 2.3.5 — Flash/PSRAM, Octal-Fall, Strapping, USB, JTAG, UART0
- ESP32-C6 Series Datasheet v1.5, Abschnitte 2.3.4 und 2.3.5 — Flash, Strapping, USB, JTAG, UART0
- ESP32-C3 Series Datasheet v2.4, Abschnitt „Features" — 22 bzw. 16 GPIO je Variante
- ESP-IDF Programming Guide, GPIO & RTC GPIO (ESP32-C6) — GPIO10/11 bzw. GPIO14 je nach Flash im Gehäuse
Stand geprüft am 3. August 2026.