Nicht nach Datenblattzeile auswÀhlen
Die Versuchung ist gross, die Vergleichstabelle aus dem letzten Modul zu nehmen und den Chip mit den meisten HĂ€kchen zu wĂ€hlen. Das fĂŒhrt regelmĂ€ssig zum falschen Chip: zu teuer, zu stromhungrig, oder mit einer Funktion, die man nie benutzt, wĂ€hrend die eine, die man gebraucht hĂ€tte, fehlt.
Die brauchbarere Reihenfolge sind vier Fragen â in dieser Reihenfolge, denn die erste schliesst am meisten aus.
1. Wie muss das GerÀt funken?
Das ist die hĂ€rteste Bedingung, denn sie lĂ€sst sich nicht nachrĂŒsten.
| Anforderung | infrage kommen |
|---|---|
| ins WLAN | alle ausser H2 |
| Thread, Zigbee oder Matter ĂŒber 802.15.4 | C6 oder H2 |
| beides gleichzeitig â WLAN und 802.15.4 | nur C6 |
| Bluetooth Classic (Audio, Headset-Profile) | nur der klassische ESP32 |
| nur Bluetooth LE, kein Netz | jeder ausser S2 â H2 oder C3 sind die sparsamen |
| gar kein Funk | dann ist der ESP32 der falsche Chip |
2. Wie viele Pins brauchst du wirklich?
ZĂ€hl deine Signale zusammen, und rechne grosszĂŒgig: Ein I2C-Bus sind zwei Pins, SPI sind vier plus eine Auswahlleitung je GerĂ€t, jede Leuchtdiode und jeder Taster einer.
| Bedarf | passt |
|---|---|
| bis etwa 10 Signale | C3 (22 oder 16 GPIO), H2 (19) |
| bis etwa 20 | C6 (30 oder 22) |
| mehr, oder Kamera und Display | S3 (45), S2 (43) |
Rechne dabei damit, dass ein Drittel bis die HĂ€lfte der nominellen GPIO-Zahl nicht frei verfĂŒgbar ist â Flash, Strapping, USB und Boardbelegung fressen sie auf. Das ist der Inhalt der Module 5 bis 8.
3. Wie lange muss es mit einer Batterie laufen?
Wenn das GerÀt die meiste Zeit schlÀft, entscheidet der Ruhestrom im Deep Sleep alles.
| Chip | Deep-Sleep-Strom laut Datenblatt |
|---|---|
| ESP32-C3 | 5 ”A |
| ESP32-C6 | 7 ”A |
| ESP32-H2 | 7 ”A |
| ESP32 | 10 ”A |
Diese Zahlen sind Bestwerte des Chips unter idealen Bedingungen. Was dein GerĂ€t wirklich zieht, hĂ€ngt an der Beschaltung â ein einziger Pull-Widerstand, der im Schlaf gegen eine externe Beschaltung arbeitet, kostet leicht ein Vielfaches davon. Modul 8 zeigt, woran das liegt.
4. Wie soll programmiert und getestet werden?
| Wunsch | Chip |
|---|---|
| Flashen und Debuggen ohne Zusatzhardware | alle ausser dem klassischen ESP32 (USB-Serial-JTAG im Chip) |
| das GerÀt soll selbst als USB-GerÀt auftreten | S2 oder S3 (USB OTG) |
| RISC-V-Werkzeugkette ohne Espressif-Compiler | C3, C6, H2 |
Vier typische FĂ€lle
| Vorhaben | Wahl | warum |
|---|---|---|
| Sensor meldet Messwerte ins WLAN, Batterie, schlĂ€ft meistens | C3 oder C6 | wenig Pins nötig, sparsam, gĂŒnstig; C6 wenn spĂ€ter Thread dazukommen soll |
| GerÀt im Smart Home mit Matter | C6 | einziger, der WLAN und 802.15.4 zugleich kann |
| Bedienpanel mit Farbdisplay und Kamera | S3 | 45 GPIO, viel SRAM, PSRAM ĂŒber acht Leitungen |
| BatteriegerĂ€t in einem Zigbee-Netz, kein WLAN nötig | H2 | genau dafĂŒr gebaut, kein WLAN-Stromverbrauch |
Wenn du es nicht weisst
Ein ehrlicher Vorschlag zum Anfangen: Nimm einen ESP32-C6. Er funkt alles ausser Bluetooth Classic, hat mit 30 GPIO genug fĂŒr die meisten Aufbauten, ist sparsam, hat USB im Chip und einen RISC-V-Kern ohne Sonderwerkzeuge.
Der klassische ESP32 ist die naheliegende Wahl aus Gewohnheit â es gibt am meisten Anleitungen dafĂŒr. Er ist aber auch der Chip mit den meisten Fallen: nur-Eingang-Pins, ADC2 gegen WLAN, fĂŒnf Strapping-Pins, kein USB. Genau deshalb steht er in diesem Kurs so oft als warnendes Beispiel.
Quellen
- Abschnitt âFeatures" der DatenblĂ€tter ESP32 v5.2, ESP32-S2 v1.9, ESP32-S3 v2.2, ESP32-C3 v2.4, ESP32-C6 v1.5, ESP32-H2 v1.3 â Funk, GPIO-Zahl, Deep-Sleep-Strom, USB
Die Zuordnung âwelcher Chip fĂŒr welches Vorhaben" ist eine Empfehlung, keine Datenblattangabe. Belegt sind die Eigenschaften, nicht der Rat.
Stand geprĂŒft am 3. August 2026.