Die Nummer auf der Platine ist keine Aussage
Drei Ebenen, drei Zählungen — und keine hat mit der anderen etwas zu tun.
Der Chip zählt seine GPIO-Nummern. Das Gehäuse zählt seine Gehäusepins, einfach reihum. Das Modul zählt seine Modulpins, wieder reihum. Und der Boardhersteller druckt daneben, was ihm sinnvoll erscheint.
Von diesen vier Zählungen ist genau eine verbindlich: die GPIO-Nummer.
| Bezeichnung | steht wo | brauchbar wofür |
|---|---|---|
| GPIO-Nummer | Datenblatt, ESP-IDF, dein Programm | alles |
| Gehäusepin | Datenblatt, Tabelle „Pin Overview" | Layout, Löten |
| Modulpin | Datenblatt des Moduls | Layout, Löten |
Aufdruck (D2, A0, IO21) | Seidendruck auf der Platine | sich zurechtfinden — sonst nichts |
Wenn dein Programm einen Pin anspricht, meint es immer die GPIO-Nummer. Alles andere ist Beschriftung.
Der Aufdruck ist das Unzuverlässigste am ganzen Board
Zwei Boards mit demselben Chip können denselben GPIO verschieden beschriften — und dieselbe Beschriftung auf einen anderen GPIO legen.
Besonders beliebt sind Boards, die eine Arduino-artige Beschriftung (D0…D13, A0…A5) auf einen ESP32 kleben. Diese Nummern stammen aus einer ganz anderen Welt und stehen in keinem festen Verhältnis zu den GPIO-Nummern.
Ein Anleitungstext, der von „Pin D4" spricht, ohne das Board zu nennen, ist wertlos. Ein Text, der von GPIO4 spricht, ist überall gültig.
Wie du die Übersetzung findest
Jedes ernstzunehmende Board bringt eine Tabelle oder Zeichnung mit, die den Aufdruck auf die GPIO-Nummer abbildet. Diese Übersetzung brauchst du einmal — danach denkst du nur noch in GPIO-Nummern.
Wenn du keine Unterlagen findest, gibt es einen ehrlichen Ausweg: ein kurzes Programm, das einen GPIO nacheinander schaltet, und ein Messgerät oder eine Leuchtdiode am fraglichen Anschluss. Das ist mühsam, aber es ist eine Messung und keine Vermutung.
Warum die Pinzahl nie stimmt
Jetzt lässt sich auch die Zahlenfrage aus der letzten Lektion sauber beantworten. Die Frage „wie viele Pins hat ein ESP32" hat vier verschiedene richtige Antworten, je nachdem, was gemeint ist:
| Frage | Antwort am Beispiel |
|---|---|
| Wie viele Anschlüsse hat das Gehäuse? | 48 (QFN48) |
| Wie viele davon sind programmierbare GPIO? | 34 |
| Wie viele führt mein Modul heraus? | 26 beim WROOM-32E |
| Wie viele kann ich auf meinem Board wirklich benutzen? | weniger — und das steht in keinem Espressif-Dokument |
Die letzte Zeile ist die einzige, die dich interessiert, und die einzige, die du selbst herausfinden musst.
Angewöhnen
Schreib in deine eigene Dokumentation immer die GPIO-Nummer.
„Sensor an GPIO21" bleibt richtig, wenn du das Board wechselst, wenn jemand anders die Schaltung nachbaut, und wenn du die Notiz in zwei Jahren wiederfindest.
„Sensor an D2" bedeutet in dem Moment nichts mehr, in dem die Platine nicht mehr vor dir liegt.
Quellen
- ESP32 Series Datasheet v5.2, Abschnitt 2 „Pins", Tabelle „Pin Overview" — Gehäusepin, Pin-Name und GPIO-Nummer nebeneinander
- ESP32-WROOM-32E / ESP32-WROOM-32UE Datasheet v2.0, Abschnitt 3 „Pin Definitions"
Die Zuordnung von Aufdruck zu GPIO-Nummer stammt grundsätzlich vom Boardhersteller und aus keiner Espressif-Quelle.
Stand geprüft am 3. August 2026.