Drei Dinge heissen „ESP32"
Du bestellst ein „ESP32-Board", bekommst eine kleine Platine mit USB-Buchse, und im Datenblatt steht etwas von 34 GPIO. Auf der Platine zählst du 30 Anschlüsse. In der Anleitung eines Sensors ist von GPIO21 die Rede, auf deiner Platine steht dort aber D2.
Nichts davon ist ein Fehler. Es sind drei verschiedene Dinge, die alle „ESP32" genannt werden:
| Ebene | was es ist | wer es baut |
|---|---|---|
| Chip | das schwarze Silizium-Plättchen im Gehäuse | Espressif |
| Modul | Chip + Flash + Quarz + Antenne, als Blechdose vergossen | Espressif oder Dritte |
| Board | Modul + Spannungsregler + USB + Stiftleisten | irgendwer |
Wer diese drei auseinanderhält, versteht die meisten Widersprüche zwischen Datenblatt und Wirklichkeit sofort.
Die Zahlen an einem konkreten Beispiel
Nimm die verbreitetste Kette überhaupt: den Chip ESP32-D0WD-V3, verbaut im Modul ESP32-WROOM-32E, das auf einem DevKit sitzt.
| Ebene | Beispiel | Anschlüsse |
|---|---|---|
| Chip | ESP32-D0WD-V3, Gehäuse QFN48 | 34 programmierbare GPIO |
| Modul | ESP32-WROOM-32E | 38 Modulpins, davon 26 GPIO herausgeführt |
| Board | DevKit | von den 26 sind einige belegt — je Board verschieden |
Von 34 auf 26 verschwinden also acht GPIO, und das ist kein Rundungsfehler.
Wohin die GPIO verschwinden
Der grösste Brocken ist der Flash-Speicher im Modul. Dein Programm liegt nicht im Chip, sondern in einem separaten Flash-Baustein, den das Modul mit einlötet. Der Chip spricht über SPI mit ihm — und dafür braucht er sechs GPIO, dauerhaft, bei jedem Takt. Diese sechs sind am Modul gar nicht erst nach aussen geführt, denn nach aussen geführt wären sie nur eine Falle.
Der Rest der Differenz sind Pins, die der Modulhersteller nicht herausgeführt hat, weil er nur eine begrenzte Anzahl Lötpads hat.
Auf dem Board geht es dann weiter: Die Leuchtdiode, der Boot-Taster, die USB-Brücke und manchmal eine Stiftleiste für ein Display belegen weitere Pins. Wie viele, steht in keinem Espressif-Datenblatt — das ist eine Eigenschaft deines Boards.
Die Frage, die du dir bei jeder Angabe stellen musst
Gilt das für den Chip, für das Modul oder für mein Board?
Ein Pin kann am Chip völlig frei sein und auf dem Modul trotzdem fehlen. Ein Pin kann am Modul herausgeführt sein und auf dem Board trotzdem an einer Leuchtdiode hängen.
Die Antwort steht je nach Ebene in einem anderen Dokument:
| Frage | Dokument |
|---|---|
| Kann GPIO4 einen Analogwert lesen? | Datenblatt des Chips |
| Ist GPIO6 an meinem Modul herausgeführt? | Datenblatt des Moduls |
| Hängt an GPIO2 eine Leuchtdiode? | Unterlagen des Boards |
Warum das keine Haarspalterei ist
Der typische Abend geht so: Jemand liest im Datenblatt, dass der ESP32 34 GPIO hat, sucht sich GPIO9 für einen Sensor aus, verdrahtet ihn — und das Gerät startet nicht mehr.
GPIO9 gehört beim klassischen ESP32 zum SPI-Flash. Am Chip ist es ein GPIO wie jedes andere; am Modul ist es die Leitung zum Programmspeicher. Das Datenblatt hat nicht gelogen, es hat nur über eine andere Ebene gesprochen.
Welche Pins das im Einzelnen sind, kommt in Modul 5. Vorher lohnt sich noch ein Blick darauf, warum derselbe Anschluss auch noch drei verschiedene Namen hat.
Kurze Selbstkontrolle
Zählt nicht — nur zum Prüfen, ob es angekommen ist.
1.Im Datenblatt des ESP32 steht „34 programmierbare GPIO". Auf deinem WROOM-32E-Modul sind 26 herausgeführt. Was ist passiert?
2.Du willst wissen, ob an GPIO2 deines Boards eine Leuchtdiode hängt. Wo steht das?
Quellen
- ESP32 Series Datasheet v5.2, Abschnitt „Features" — 34 programmierbare GPIO, Gehäuse QFN48
- ESP32-WROOM-32E / ESP32-WROOM-32UE Datasheet v2.0, Abschnitt „Features" und Abschnitt 3 „Pin Definitions" — 38 Modulpins, 26 GPIO herausgeführt
Stand geprüft am 3. August 2026.