Die Zahl, die überall zitiert wird
„Ein ESP32-Pin kann 40 mA." Das steht so ähnlich im Datenblatt, und es ist trotzdem irreführend — weil die Fussnote fehlt, die den Wert erst brauchbar macht.
Beim klassischen ESP32 sind 40 mA der typische Wert für einen Pin, der als einziger seiner Versorgungsdomäne Strom liefert, bei maximaler Treiberstärke. Das Datenblatt hält in einer Fussnote fest, dass dieser Wert sinkt, je mehr Pins derselben Domäne gleichzeitig Strom liefern:
| Domäne | Strom je Pin, ein Pin allein | … wenn viele gleichzeitig liefern |
|---|---|---|
VDD3P3_CPU und VDD3P3_RTC | rund 40 mA | rund 29 mA |
VDD_SDIO | rund 30 mA | rund 10 mA |
Wer also acht Leuchtdioden mit je 20 mA an Pins derselben Domäne hängt, rechnet mit einer Zahl, die für diesen Fall gar nicht gilt.
Für S3 und C6 nennt das Datenblatt keine solche Abnahme. Dort stehen 40 mA als typischer Wert bei maximaler Treiberstärke, ohne Angabe dazu, wie er sich mit der Zahl gleichzeitig liefernder Pins verhält. Die ESP32-Fussnote lässt sich nicht einfach übertragen.
Liefern und aufnehmen sind nicht dasselbe
| Grösse | ESP32 | ESP32-S3 | ESP32-C6 |
|---|---|---|---|
| IOH — Strom liefern (Pin auf High) | typ. 40 mA | typ. 40 mA | typ. 40 mA |
| IOL — Strom aufnehmen (Pin auf Low) | typ. 28 mA | typ. 28 mA | typ. 28 mA |
Ein Pin kann also mehr liefern als aufnehmen. Für eine Leuchtdiode heisst das: Die Schaltung „Pin → Widerstand → LED → Masse" (der Pin liefert) und „3.3 V → LED → Widerstand → Pin" (der Pin nimmt auf) sind elektrisch nicht gleichwertig.
Die Summe
| Chip | Summe aller IO-Ausgangsströme |
|---|---|
| ESP32 | 1200 mA |
| ESP32-S3 | 1500 mA |
| ESP32-C6 | 1000 mA |
Diese Summenwerte sind absolute Grenzwerte
Sie stehen im Datenblatt unter „Absolute Maximum Ratings", und das bedeutet etwas Bestimmtes:
Ein absoluter Grenzwert beschreibt, was das Bauteil überlebt — nicht, was man ihm im Betrieb zumuten soll.
Es wäre ein Missverständnis, 1200 mA als Budget zu lesen, das man ausschöpfen darf. Lange bevor du dorthin kommst, wird der Chip heiss, die Versorgung bricht ein, und das WLAN wird unzuverlässig.
Die brauchbare Regel: Was mehr als ein paar Milliampere braucht, bekommt einen Transistor oder einen Treiberbaustein und wird nicht direkt vom Pin versorgt. Ein Pin schaltet ein Signal; Leistung liefert er nicht.
Wie man das mit einem Transistor macht, gehört in die Elektronik und nicht in diesen Kurs — der Grundkurs elektronik-basics behandelt die Grundlagen dazu.
Praktische Obergrenzen
Aus dem Gesagten ergibt sich eine Arbeitsregel, die keine Datenblattzahl ist, sondern eine Auslegungsempfehlung:
| Last | Vorgehen |
|---|---|
| Leuchtdiode als Anzeige (etwa 5–10 mA) | direkt am Pin, mit Vorwiderstand |
| Eingang eines anderen Bausteins | direkt am Pin — er zieht ohnehin fast nichts |
| mehrere Leuchtdioden gleichzeitig | Summe je Domäne im Blick behalten, eher Treiberbaustein |
| Relais, Motor, Lautsprecher, LED-Streifen | nie direkt am Pin — Transistor oder Treiber |
Ein Eingang kostet übrigens praktisch nichts: Das Datenblatt nennt für den Eingangsstrom höchstens 50 nA. Man kann viele Eingänge an einen Ausgang hängen, ohne in die Nähe einer Grenze zu kommen.
Quellen
- ESP32 Series Datasheet v5.2, Tabelle 5-3 „DC Characteristics (3.3 V, 25 °C)" — IOH typisch 40 mA, IOL typisch 28 mA, IIH/IIL höchstens 50 nA; Anmerkungen 2 und 3 zur Abnahme von rund 40 mA auf rund 29 mA (
VDD3P3_CPU,VDD3P3_RTC) beziehungsweise von rund 30 mA auf rund 10 mA (VDD_SDIO) - ESP32 Series Datasheet v5.2, Tabelle 5-1 „Absolute Maximum Ratings" — kumulativer IO-Ausgangsstrom 1200 mA
- ESP32-S3 Series Datasheet v2.2, Tabellen 5-1 und 5-4 — 1500 mA; IOH 40 mA, IOL 28 mA bei
PAD_DRIVER = 3 - ESP32-C6 Series Datasheet v1.5, Tabellen 5-1 und 5-4 — 1000 mA; IOH 40 mA, IOL 28 mA bei
PAD_DRIVER = 3
Die Tabelle „Praktische Obergrenzen" ist eine Auslegungsempfehlung und keine Datenblattangabe.
Stand geprüft am 3. August 2026.