Eine Familie, zwei Befehlssätze
„ESP32" ist längst kein einzelner Chip mehr, sondern eine Familie mit sechs relevanten Mitgliedern. Sie unterscheiden sich in zwei Dingen grundsätzlich: im Rechenkern und im Funk.
Beim Kern gibt es einen Bruch mitten durch die Familie:
| Kern | Chips |
|---|---|
| Xtensa (Espressifs eigener Befehlssatz) | ESP32, ESP32-S2, ESP32-S3 |
| RISC-V (offener Befehlssatz) | ESP32-C3, ESP32-C6, ESP32-H2 |
Für dich als Anwender ist das meistens unsichtbar — ESP-IDF und die Rust-Werkzeuge bedienen beide. Spürbar wird es nur, wenn eine Werkzeugkette installiert werden muss: Für Xtensa braucht es Espressifs eigenen Compiler-Zweig, für RISC-V genügt der übliche.
Die Buchstaben im Namen sind übrigens keine Generationen: S steht für die grösseren Chips mit viel Speicher und USB, C für die kleinen und günstigen, H für die ohne WLAN.
Der Funk entscheidet die Auswahl
Hier liegen die Unterschiede, an denen ein Projekt scheitert oder gelingt.
Drei Punkte aus dieser Figur sind es wert, ausgeschrieben zu werden:
Der ESP32-S2 hat kein Bluetooth. Überhaupt keines. Er ist der einzige in der Familie, bei dem das so ist, und es ist der häufigste Fehlgriff bei der Auswahl — der Name klingt nach einem Nachfolger des ESP32, ist aber ein reiner WLAN-Chip mit USB.
Der ESP32-H2 hat kein WLAN. Er ist der 802.15.4-Chip für Thread und Zigbee, mit Bluetooth LE dazu. Wer ihn ins Netz bringen will, braucht ein Gateway.
Der klassische ESP32 ist der einzige mit Bluetooth Classic. Alles Neuere kann nur Bluetooth Low Energy. Wenn du ein Freisprech-Headset oder einen Lautsprecher ansprechen willst, also klassische Bluetooth-Profile, bleibt dir nur der alte Chip.
Der vollständige Vergleich
Alle Angaben aus dem Abschnitt „Features" des jeweiligen Datenblatts.
| ESP32 | ESP32-S2 | ESP32-S3 | ESP32-C3 | ESP32-C6 | ESP32-H2 | |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Kern | Xtensa LX6, 1–2 Kerne | Xtensa LX7, 1 Kern | Xtensa LX7, 2 Kerne | RISC-V, 1 Kern | RISC-V, HP + LP | RISC-V, 1 Kern |
| Takt | bis 240 MHz | bis 240 MHz | bis 240 MHz | bis 160 MHz | bis 160 MHz | bis 96 MHz |
| WLAN | 802.11 b/g/n | 802.11 b/g/n | 802.11 b/g/n | 802.11 b/g/n | Wi-Fi 6 | — |
| Bluetooth | Classic und LE | — | LE (BT 5) | LE (BT 5) | LE (BT 5.3) | LE |
| 802.15.4 | — | — | — | — | Thread, Zigbee | Thread, Zigbee |
| SRAM | 520 kB | 320 kB | 512 kB | 400 kB | 512 kB + 16 kB LP | 320 kB |
| GPIO | 34 | 43 | 45 | 22 oder 16 | 30 oder 22 | 19 |
| Touch | 10 | 14 | 14 | — | — | — |
Zwei Zeilen brauchen eine Fussnote:
- Beim C3 und C6 hängt die GPIO-Zahl vom Gehäuse ab und davon, ob Flash im Gehäuse sitzt. Beim C6 sind es 30 im QFN40 und 22 im QFN32.
- Der C6 hat zwei Rechenkerne, aber nicht so wie der ESP32: einen schnellen für die Anwendung und einen sehr langsamen Low-Power-Kern (bis 20 MHz), der weiterlaufen kann, während der Rest schläft.
Was du dir merken solltest
Nicht die Tabelle — die schlägst du nach. Sondern diese vier Sätze:
- S2: kein Bluetooth.
- H2: kein WLAN.
- Nur der alte ESP32 kann Bluetooth Classic.
- Nur der C6 kann Wi-Fi 6, Bluetooth und Thread/Zigbee gleichzeitig.
Quellen
Abschnitt „Features" des jeweiligen Datenblatts:
- ESP32 Series Datasheet v5.2
- ESP32-S2 Series Datasheet v1.9
- ESP32-S3 Series Datasheet v2.2
- ESP32-C3 Series Datasheet v2.4
- ESP32-C6 Series Datasheet v1.5
- ESP32-H2 Series Datasheet v1.3
Stand geprüft am 3. August 2026.